"Lieber ein autofreier Erlebnistag als ein erlebnisfreier Autotag"
(Dr. Richard Groß, Landrat des Kreises Trier-Saarburg)

Räumlich und zeitlich beschränkte autofreie Tage haben nur einen relativ geringen direkten Nutzen für die Umwelt. Auch lässt es sich leider nicht verhindern, dass die Anreise eines Teils der Teilnehmer/innen per Auto erfolgt - mit den Fahrrädern auf dem Dachgepäckträger.

Aber: Autofreie Tage zeigen den Teilnehmern die Vorteile der Autofreiheit auf. Daher unterstützt autofrei leben! diese autofreien Aktionstage. Sie sind eine gute Gelegenheit unser Anliegen an ein aufgeschlossenes Publikum weiter zu vermitteln. Je mehr Teilnehmer solche autofreien Tage haben, desto größer ist der Druck, noch mehr davon einzuführen. Dann wird hoffentlich bald der Zeitpunkt erreicht, an dem autofreie Sonntage deutschlandweit zur Normalität werden. Erste Städte wie z.B. Hannover und Hamburg haben dies - mit ganz unterschiedlichen Ansätzen - bereits eingeführt.

Autofreie Tage werden in ganz unterschiedlichen Aktionsformen durchgeführt. autofrei leben! bevorzugt insbesondere die möglichst großflächige Sperrung von Straßen und Stadtvierteln (Beispiel Hannover), aber auch einzelne Veranstaltungen wie Fahrraddemonstrationen, Tagungen zum Thema nachhaltige Mobilität, Straßenfeste usw. sind sinnvoll.

Gute Beispiele in Deutschland sind neben Hannover auch das zwei Mal jährlich in München stattfindendende Streetlife-Festival, und in Berlin rät die Polizei, am Tag der Fahrradsternfahrt (jährlich an einem Sonntag Ende Mai / Anfang Juni) nicht das Auto zu benutzen: Hunderttausende Teilnehmer/innen radeln auf dieser weltweit größten Fahrraddemonstration unter anderem auch auf Autobahnen quer durch die ganze Stadt.

Neben sehr vielen regionalen gibt es mehrere nationale und internationale autofreie Aktionstage:
  
• Europäische Woche der Mobilität (jährlich vom 16.-22. September), mit dem Europäischen Autofreien Aktionstag (jährlich am 22.9.) als Höhepunkt. Auf dieser Webseite der EU-Kommission präsentieren Städte & Gemeinden ihre Aktionen (zur Städteliste). Mittlerweile beteiligen sich sich auch außereuropäische Länder daran.
  
World Carfree Network (WCN) hat eine Wiki-Seite zum "World Carfree Day" (WCD) gestartet, auf der unkompliziert eigene Autofreie Aktionen eingetragen werden können:
wcd-Wiki > Current Events

• Im Rahmen der Autofreien Aktionswoche im September finden eine Vielzahl weiterer Aktionen & Projekte statt, wie zum Beispiel ...
... "
Zu Fuß zur Schule und zum Kindergarten" (FUSS e.V. Kampagne jährlich am 22.9.)
... "Stadtradeln" (deutschlandweiter Städtewettbewerb. Ziel: Stärkung des Alltagsradverkehrs. Eine Klima-Bündnis Kampagne.)
... "Clever mobil und fit zur Arbeit" (Klima-Bündnis Kampagne für mehr Nachhaltigkeit und Effizienz durch betriebliches Mobilitätsmanagement.)
... "ZOOM - Kleine Klimaschützer unterwegs" (Klima-Bündnis Kampagne für Kindergarten- und Grundschulkinder zu Klimaschutz und Mobilität.)
... "Radlust" (Wanderausstellung der Uni Trier.)

... "SMILE - Sustainable Mobility Initaitves for Local Environment" (Ziel: Reduktion der negativen Auswirkungen des Verkehrs auf Klima sowie Luft- und Lebensqualität in unseren Städten. Empfehlungen, Best-Practice-Datenbank, Infos zu nachhaltiger Mobilitätspolitik. Ein von der EU-Kommission gefördertes Netzwerk Projekt mit internationalen Partnern.).
  
• Eine besonders originelle Idee, die sich seit 2005 weltweit ausbreitet, ist der jährlich am 19. September zelebrierte PARKing Day der Künstlergruppe REBAR ("remixing your landscape") aus San Francisco: Hier wird ein ganz normaler Autostellplatz am Straßenrand phantasievoll umgestaltet. Mehr dazu hier:
Filme: PARK(ing) Day in NYC 2007 | PARK(ing) Day in SF 2006 | mehr in YouTube

• Das UPI-Institut pflegt eine Liste von autofreien Raderlebnistagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Ähnliche aktuelle Listen gibt es von Marion Bund (auch Frankreich, Niederlande, Italien) und Lutz Eggert. In der Schweiz sind die Slow-Ups sehr beliebt. In Österreich beteiligen sich regelmäßig sehr viele Gemeinden an autofreien Aktionstagen, und in Italien werden in vielen Städten aus Umweltschutzgründen (Feinstaubbelastung etc.) die Innenstädte gesperrt (TV-Bericht).
  
• Das weltweit größte und ambitionierteste Beispiel eines autofreien Aktionstages findet in Kolumbien statt: Seit 2000 ist an jedem 1. Donnerstag im Februar die Landeshauptstadt Bogotà - eine Stadt mit ca. 7 Mio Einwohnern - komplett autofrei; dies wurde durchgesetzt vom ehemaligen Bürgermeister Enrique Peñalosa mithilfe einer Volksabstimmung. Dieser autofreie Tag dient als Startschuss für den Verkehrsplan `Bogotá 2015´. Bis dann sollen die ersten Metro- und Schnellbuslinien morgens und abends ein jeweils dreistündiges Fahrverbot für Privatautos ermöglichen.
  
Das Beispiel Bogotà inspiriert weltweit mehr und mehr Städte. Beispielsweise hat New York erstmals an 3 Sonntagen im August 2008 eine zentrale Verkehrsader in Manhattan für Autos gesperrt - "Summer Streets" hat die Menschen begeistert, wie dieser Kurzfilm zeigt.

Mobil ohne Auto (MoA, jährlich am 3. Sonntag im Juni) und den Autofreier Hochschultag (AfH, jährlich am Dienstag nach MoA), vor allem in Deutschland.

Varianten sind regelmäßig gesperrte Straßen, z.B. an einem bestimmten Wochentag oder zu festen Uhrzeiten. In Japan zum Beispiel werden bestimmte Straßen nachmittags gesperrt, wenn die Kinder aus der Schule kommen.

• Ein anderes Thema sind die autofreien Alpenpässe. Zum Einen sind die Alpen durch den Autoverkehr besonders beeinträchtigt. Zum Anderen haben die meisten Paßstraßen kaum noch eine direkte wirtschaftliche Bedeutung, sondern werdern vor allem aus touristischen Interessen befahren. Viele sind im Winter witterungsbedingt ohnehin gesperrt. Die Pässe für den MIV zu sperren sollte also kein großes Problem darstellen. Trotzdem gibt es nur zwei Pässe, die für jeweils einen Tag vom Autoverkehr befreit werden, nämlich das Stilfser Joch und den Albulapass. Der Andrang der Radfahrer auf diese Pässe am autofreien Tag ist sehr hoch, so daß es nahe liegt, noch mehr Pässe an mehr Tagen zu sperren. Immerhin haben auch alle Alpenstaaten und die EU die Alpenkonvention unterzeichnet, in der sie sich verpflichten, die Belastungen durch den Verkehr zu senken und den Tourismus "mit den ökologischen und sozialen Erfordernissen in Einklang zu bringen".
  
Geschichte autofreier Tage:
- Zusammenfassung in autofreiertag.de > Historie
- speziell zu MoA in mobilohneauto.de > Geschichte

  
• ... und in Wikipedia:
- "Car Free Days" und "European Mobility Week" in der englischen Wikipedia
- Vorsicht: der deutsche Wikipedia Artikel "Autofreier Tag" bedarf in wesentlichen Teilen einer gründlichen Überarbeitung.
Falsch ist schon der erste Absatz: Die Definition "Autofreier Tag" mit ausschließlichem Bezug auf den Europäischen Aktionstag am 22. September. Richtig ist vielmehr, daß der "Autofreie Tag" eine Veranstaltung ist, die an unterschiedlichsten Zeiten und Orten, von den verschiedensten InitiatorInnen (von Einzelpersonen und lokalen Bürgerinitiativen bis hin zu Unternehmen, Verwaltungen und Regierungen) mit verschiedenen Motivationen, Begründungen und Zielen und vor allem auf unterschiedlichste Arten und Weisen durchgeführt wird.
Erst seit etwa 2003 etablierte sich die Idee, vor allem ein Datum - den 22. September - weltweit zu promoten, ohne jedoch andere Termine autofreier Tage wie etwa MoA oder Bogota (s.o.) zu ignorieren. So ist nach wie vor der Autofreie Tag eine Veranstaltung, die an unterschiedlichsten Terminen stattfindet.
Die Geschichte des Autofreien Tages fehlt in der dt. Wikipedia völlig. Eric Britton von Ecoplan (Paris/Los Angeles) war Mitte der 90-er Jahre einer der ersten Initiatoren für autofreie Tage (vgl. dazu auch die engl. Wikipedia), aber es gab auch schon vorher Ideengeber überall auf der Welt. So verordnete beispielsweise die deutsche Regierung aufgrund der Ölkrise in den 70-er Jahren mehrere autofreie Sonntage.
Zudem fehlen in dem dt. Wikipedia-Artikel auch substantiierte Hinweise zur Rechtslage in Deutschland (mehr dazu z.B. hier, eine systematische Übersicht fehlt jedoch bislang), auch im Vergleich zu anderen Ländern, wo die Durchführung flächendeckender autofreier Aktionstage sehr viel einfacher realisierbar ist.
  
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Helfen wir mit, daß der Andrang bei den autofreien Tagen noch mehr zunimmt und sich dadurch ihre Anzahl, Ausdehnung und Dauer erhöht!
  
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Letzte Änderung: 04.04.2009

Autofreie Tage sind der erste zaghafte Versuch, Lebensräume der Menschen wieder für die Menschen nutzbar zu machen, nachdem diese in den vergangenen 70 Jahren in Abstell- und Bewegungsplätze für Maschinen verwandelt wurden.
Herrmann Knoflacher auf ARGE Schöpfungsverantwortung