10.08.2005
5. Towards Carfree Cities Conference (TCC-V) des World Carfree Network (WCN) in Budapest, 18.-22. Juli 2005
von Markus Heller*

Noch gibt es vergleichsweise wenig RadlerInnen in den Straßen von Budapest, die Autos parken die Gehwege zu und überziehen die Stadt mit Lärm und Abgasen, aber die Stadt hat mit verkehrsberuhigenden Straßenumgestaltungen begonnen: Parkraumbewirtschaftung, Tempo 30 Zonen, Straßenbäume, usw..

Daneben gibt es bereits seit längerer Zeit eine größere Fußgängerzone, einige schöne autofreie Plätze und die autofreie Margareten-Park-Insel in der Donau. Zum europäischen Aktionstag im September wird die Andrassy Ut., der prächtigste Boulevard der Stadt, für ein großes Straßenfest geöffnet - und seit 2003 dauert diese ungewohnte Freiheit jedes Jahr einen Tag länger.

Und erstmals in diesem Sommer wird an jedem Wochenende auf der historische Kettenbrücke flaniert und getanzt, geschlemmt und gefeiert.

Hochkarätige Leute waren zu den diesmal 2 "Public Days" der 5. "Towards Carfree Cities Conference" im Budapester Rathaus eingeladen. Besonders interessante Vorträge hielten u.a.
- Oscar Edmundo Diaz/ITDP über die radikalen Verkehrsmaßnahmen und -pläne der 7-Mio-Metropole Bogotá ("Becoming the World's First Modern Carfree City"),
- Lars Gemzøe/Architekt mit einem Vortrag über die Erweiterungen der Fußgängerzonen in Kopenhagen,
- Cor van der Klaauw/Groningen über die lokale Verkehrspolitik, die zu einem 50%-Fahrradanteil geführt hat,
- Hermann Knoflacher/TU-Wien über die Perspektiven einer autofreien Stadtplanung,
- Michael Cramer/MdEP über Verkehrspolitik in Berlin,
- Manfred Breithaupt/GTZ über autofreie Entwicklungen in Asien, und
- Daniel Lerch & Sara Stout/Portland über das "City Repair Project".
Ein weiteres Schwerpunktthema waren die direkten und indirekten Subventionen des Autoverkehrs, und parallel führte Joel Crawford erstmals eine beeindruckende Maquette durch. Diese und die meisten anderen Präsentationen stehen bereits im Netz auf den Konferenzseiten (Link s.u.).

Die TCC-Konferenzen werden auch unabhängig vom jeweiligen Programm immer interessanter und vielfältiger. Das liegt u.a. an der Zunahme von Mitgliedsorganisationen im World Carfree Network - al! war übrigens eine der ersten, mittlerweile haben sich über 50 aus fast allen Teilen der Welt registriert -, und auch an einer ausgewogenen Mischung aus alten KonferenzteilnehmerInnen (1/4 bis 1/3 waren bereits auf vorherigen Konferenzen) und neuen. Man trifft dort einerseits viele Aktivisten, oft sehr radikal in ihren Forderungen und gleichzeitig professionell, und auch viele Akademiker/innen (Hochschullehrer/innen & Student/innen) sowie zunehmend Leute aus öffentlichen Verwaltungen und aus der privaten Wirtschaft.

Die TCC-5-Teilnehmer kamen überwiegend aus West- & Osteuropa, zusätzlich auch aus den USA, Australien, Bangladesh, Brasilien, Kolumbien, Indien, Phillipinen, Türkei, Rußland u.a.. Das erste mal waren auch einige größere Gruppen da, z.B. Greenpeace-Zürich, oder eine türkische Stadtplanungs-Professorin mit einem halben Dutzend Studentinnen.

Besonders interessant für autofrei leben! ist auch die Entwicklung des CAS (www.clubderautofreien.ch), quasi unsere Schweizer Schwesterorganisation. Der Kontakt wurde 2004 von Matthias Lemke während der TCC-IV Konferenz in Berlin geknüpft, die CAS-Vorständler Beat v. Scarpatetti & Dieter Steiner waren auch wieder in Budapest dabei (siehe dazu auch den Bericht von CAS an autofrei leben!).

Während der Konferenz wurden in Workshops auch neue Projekte geboren und weiterentwickelt (Links s.u.). Zum Beispiel hat das Carfree Area Pilot Project mit einer eigenen Newslist und Wiki-page begonnen, einen Wettbewerb für Städte und Gemeinden vorzubereiten. Die Press Media Group wird sich als erstes mit einer
Kampagne gegen die fahrradfeindliche Politik in N.Y. befassen. Die Idee eines Carfree Institute wird konkreter. Und möchte jemand die Spaß-Kampagne Autoholics Anonymous für Deutschland adaptieren ?

Die
TCC-Konferenz VI wird im September 2006 in Bogotá/Kolumbien stattfinden. Danach 2007 wieder in Europa (eventuell Istanbul).

Um diese gigantische Umweltverschmutzung durch den Flugverkehr zu vermeiden, den weitreisende Konferenz-TN verursachen, die doch eigentlich die Welt autofrei machen wollen, ist ein abwechselnder Turnus zwischen Europa und Amerika, von woher die meisten carfree-Interessierten kommen, festgelegt worden. Die 2-jährliche Teilnahme an den Konferenzen auf dem eigenen Kontinent erscheint uns (den Mitgliedsorganisationen im WCN) ausreichend, nötig sind dann nur noch wenige Flüge für einige der Vortragenden sowie eine Konferenz-erfahrene Organisations-Kerngruppe des WCN.

Zusätzlich wird über parallel stattfindende "Sub-Konferenzen" auf dem jeweils anderen Kontinent nachgedacht, auf denen die Haupt-Konferenz mitverfolgt werden kann. D.h. parallel zu Bogotá 2006 wird für die Europäer eventuell eine kleinere Konferenz in Prag stattfinden, wo mit Internet-/Video-Anschluß sogar eine interaktive Beteiligung möglich ist - inclusive "Konferenzatmosphäre" & persönlichem Austausch ...

Links zum World Carfree Network:

- TCC-V: Programm, Vorträge (vorherige Konferenzen im
Archiv)

- Projekte

- e-bulletin "World Carfree News" [es gibt auch eine dt. Übersetzung]

- Zeitschrift Carbusters:
["Issue #24 of our quarterly magazine Car Busters is out. We report on the transport in the Philippines, Street Playing Day in the Netherlands, and a French anti-road campaign."]


- e-magazine Carfree Times (auch in dt. Übersetzung auf unserer Webseite)

- Mitgliedsorganisationen

* * *

*Markus Heller ist Mitglied im autofrei leben! e.V. (Ortsgruppe Berlin) und von 2004-2007 auch Mitglied des 
WCN Steering Commitee.