Reisen zu autofreien Orten in der Schweiz
Schwander, Andreas
Verlag: Reinhardt Media-Service, Basel
ISBN: 3-7245-1283-X
Jahr: 2005
Preis: CHF 29.80
Kartoniert/Paperback

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"Reisen zu autofreien Orten in der Schweiz", Andreas Schwander

Rezension von Robert Steinmetz

Angesichts der Dominanz des Autos, der weltweiten Präsenz einer automobilen Infrastruktur in allen von Menschen genutzten Bereichen, ist es sehr erfreulich, zu erfahren, dass es doch noch autofreie Lebensräume gibt. Der Autor Andreas Schwander stellt sie in seinem Buch „Reisen zu autofreien Orten in der Schweiz“ vor und macht Hoffnung: wer in den Alpen Urlaub machen will, muss sich nicht über autoverstopfte Alpenpässe quälen oder in Bergdörfern zwischen parkendem Blech spazieren gehen.

Auf den ersten Blick erschien es mir anmaßend, als Norddeutscher (aber autofreier Mensch) eine Beurteilung eines Reiseführers über die Schweiz vorzunehmen. Aber: ich bin in den letzten Jahren dreimal in Stans am Vierwaldtstätter See und einmal in Luzern gewesen; der Bootsanleger an der  Rütlischwur-Wiese, das Stanser Horn, die Klewenalp und Beckenried, der Grindelwald mit Interlaken  und der Luzerner Urknall sind mir durchaus bekannt.

Das Buch ist keine Aneinanderreihung von Höhenmetern und Pensionspreisen, es lässt sich flüssig und unterhaltsam lesen. Gut gefallen hat mir die Trennung des Textes in einen  „Lesen“- und „Fakten“-Teil. Zuerst informiert man sich über Landschaft, Geschichten und sehenswerte Ziele und wenn es einem zusagt, erfährt man die technischen Details in der Rubrik „Anreise, Ausflugsmöglichkeiten, Unterkunft . . .“
Die Reisebeschreibungen sind vergleichbar mit der Möglichkeit, z.B. nach Paris zu kommen und vom Eiffelturm zu schauen oder die Bilder im Louvre zu bewundern, ohne dass man ein Auto benutzen muss oder unterwegs oder am Ziel von Menschenmassen bedrängt wird. Dieser Vergleich kam mir in den Sinn, als ich las, wie man ohne Wohnmobil und Hotelbunker den größten Gletscher Europas, den Aletschgletscher, erreichen und erwandern kann.

Mir hat der Hinweis auf das Postauto eine Anregung gegeben, wie ich meinen nächsten Urlaub in der Schweiz gestalten kann: die Anreise mit der Bahn, dann mit dem Postauto und Rad eine Woche die Strecken abfahren und da übernachten, wo auch das Postauto entlang fährt. Denn: trotz Autofreiheit und einer gewissen Sportlichkeit habe ich keinen Ehrgeiz, einen Dreitausender mit dem Rad zu erklimmen, dafür greife ich auf das Postauto zurück. Im Internet-Shop von postauto.ch kann man Reisepläne bestellen und sich über Fahrkartenpreise informieren.
Die Phantasie anregend fand ich auch das Hotel Schatzalp, bekannt aus Thomas Manns „Zauberberg“.

Es sind durchweg liebenswerte Orte, die Photographien treffend ausgewählt, d.h. die Bilder sprechen den an, der das sucht, was der Autor verspricht. Eine kleine Karte zum Aufklappen hätte das Buch weiter abgerundet.

Resümée: das Buch sollte in keiner größeren Schweizer Bibliothek fehlen (behaupte ich als umweltbewahrendes „Nordlicht“ einfach mal) und dürfte auch in größeren deutschen Bibliotheken oder Bereichsbibliotheken des ADFC, BUND oder Alpenvereins Interessenten finden.