18.06.2008 - Pressemitteilung:
  
Pendlerpauschale: Arbeitgeber sollen zahlen
  
"Die Entfernungspauschale sollte vollständig auf die Arbeitgeber umgelegt werden. Dies schafft Kostengerechtigkeit, folgt dem Verursacher- und Wettbewerbsprinzip und hilft zugleich der Umwelt." erklärt Verkehrsexperte Markus Schmidt vom Umwelt- und Verbraucherschutzverband autofrei leben!. "Das ist im Streit um die Entfernungspauschale ein gänzlich neuer Lösungsvorschlag", ergänzt Vorsitzender Markus Heller, "der zugleich den Bundeshaushalt entlastet."
  
Die Autokritiker setzen mit ihrem Vorschlag auf den Eifer von Betriebswirten, die die neue Regelung zur Kostenoptimierung nutzen werden. Schmidt: "Zwar müssten die Firmen zunächst die entstehenden Zusatzkosten in ihre Preise einkalkulieren, so wie bei jeder anderen Kostensteigerung auch. Aber sehr rasch werden diejenigen die neuen Gewinner sein, die eine intelligente Mobilitätspolitik in ihrer Firma umsetzen!"
  
"Früher", so Schmidt, "haben große Arbeitgeber Siedlungen in Werksnähe gebaut um Arbeitskräfte einstellen zu können. Heute verlassen sie sich darauf, dass der Staat Autobahnen baut und Kilometergeld zahlt und somit schädlichen Verkehr fördert."
  
Hintergrund dieser Forderung ist die derzeit bestehende Ungerechtigkeit, dass große Arbeitswege von der Allgemeinheit mit einer "Zersiedlungsprämie" subventioniert werden und damit Firmen aus Ihrer Verantwortung für eine umweltverträglichere Produktion entlastet sind, da sie diese Kosten nicht tragen müssen.
  
Die neue Regelung sollte für alle Arbeitnehmer gleich sein. Als geldwerter Vorteil wäre sie steuer- und sozialabgabenpflichtig, d.h. sie würde sich am individuellen Grenzsteuersatz des Arbeitnehmers ausrichten. Insofern wäre sie eine echte Hilfe für Bezieher niedrigerer Einkommen und damit auch sozial gerechter als die derzeitige Regelung.
  
Dem Staat obläge bei der geforderten Regelung dabei die Verpflichtung, hinsichtlich der individuellen Verkehrsmittelwahl auf eine diskriminierungsfreie Umsetzung zu achten. Die weiteren Details der Ausgestaltung würden die Tarifparteien im Rahmen der Tarifautonomie aushandeln.
  
Es sind kreative Lösungen zu erwarten:
- Firmen werden Tätigkeiten ins Internet verlagern, also verstärkt Heimarbeit einführen, und somit überflüssige Fahrten komplett einsparen,
- Firmen werden betriebliche Mobilitätspläne erstellen und prüfen, ob sie neue Bus- oder Bahnangebote selbst anbieten werden, oder ob sie die Einführung neuer Linien von den öffentlichen Nahverkehrsunternehmen einfordern, bestellen oder kofinanzieren werden,
- Firmen werden ihren Arbeitnehmern Anreize bieten, näher zum Arbeitspatz zu ziehen,
- Firmen werden in ihren Standortentscheidungen die Wohnorte ihrer Arbeitnehmer berücksichtigen.
  
  
Rückfragen:
- zu dieser Pressemitteilung: Markus Schmidt
- zum Verein autofrei leben!: Markus Heller
  
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