29.07.2007 - Pressemitteilung:
  
Autofreie: Luftablassen löst kein Klimaproblem
  
Autofreie distanzieren sich von Anschlägen auf Autos in Berlin und rufen zur Kritik am Automobilismus mit friedlichen Mitteln auf
  
Militante Umweltschützer haben in Berlin bei einer Vielzahl von hochmotorisierten Autos die Luft aus den Reifen gelassen. Aus diesem Anlaß erklären die deutschen Organisationen, die Mitglieder des World Carfree Network (WCN) sind:
  
Genauso vehement, wie wir den Automobilismus kritisieren, lehnen wir grundsätzlich und ausnahmslos alle Aktivitäten als Mittel jeglicher Auseinandersetzung ab, bei der Menschen zu Schaden kommen könnten. Dazu gehört auch das allmähliche Luftablassen aus Autoreifen.
  
So ehrenwert die Ziele der anonymen Umweltschützer bzw. SUV-Hasser auch sein mögen, ihre Methoden sind perfide und lebensgefährlich: Laut Presseberichten stopften sie kleine Steinchen o.ä. in die Ventile, so daß die Luft nur langsam aus den Reifen entweicht. Gleichzeitig hinterlassen sie Bekenner-Flugblätter mit Verweis auf den Klimawandel.
Es ist nun vorstellbar, daß das Flugblatt fortgeweht oder übersehen wird, der/die Fahrer/in in das Auto einsteigt, nichtsahnend losfährt, und erst bei hoher Geschwindigkeit merkt, daß der Reifen platt ist – dann ist es zu spät und es könnte Unfälle mit dramatischem Ausgang geben, bei denen weitere Unschuldige zu Schaden kommen !
  
Wir distanzieren uns ausdrücklich von solchen Taten und fordern alle, die mit der Forderung nach autofreien Lebensstilen sympathisieren, dazu auf, in ihrem Engagement gegen die Auto-Unkultur jegliche gefährdende Aktivitäten zu unterlassen. Jeder Mensch, der im Namen dieses berechtigten Anliegens anderen Schaden zufügt, diskrediert selbiges. Dass das World Carfree Network in Medienberichten im Zusammenhang mit diesen Taten genannt wird, schädigt das Ansehen der „Autofreien“ weltweit.
  
Hochmotorisierte Autos wie z.B. SUVs, die mittlerweile nicht nur von „Autofreien“ als „Klimaschweine“ bezeichnet werden, verschmutzen massiv die Umwelt und beschleunigen den Klimawandel. Die Berliner Grünen haben daher vollkommen recht, wenn sie erklären „Geländewagen machen Klima platt“ (27.07.2007).
Zudem drehen diese völlig überflüssigen „Monsterautos“ die Gewaltspirale im alltäglichen Straßenverkehr weiter voran, denn Unfälle mit diesen Autos sind weitaus gefährlicher als solche mit normalen Autos.
  
Wir sehen grundsätzlich in der gegenwärtig weltweiten Kultur des Automobilismus ein massives Problem: Das reicht von der Zerstörung unserer Umwelt über die Verschlechterung der Lebensqualität unserer Städte durch eine fortgesetzte autogerechte Stadt- und Verkehrsplanung bis hin zu Tausenden von Verkehrstoten (2006 gab es allein in Deutschland 5.091 Verkehrstote und über 420.000 Verletzte), die die Gesellschaft offenbar bereit ist als Kollateralschaden zu tolerieren.
  
World Carfree Network vernetzt autofreie Organisationen und Aktive auf der ganzen Welt und engagiert sich für Alternativen zur Auto-Abhängigkeit. WCN unterstützt autofreie Lebensstile und fordert die Abkehr von der autogerechten Planung von Städten und Kommunen. Das Ziel ist eine Reduzierung des schädlichen Einflusses des Menschen auf die Umwelt und eine Steigerung der Lebensqualität für alle.
   
   
im Namen der deutschen WCN-Mitgliedsorganisationen:
- autofrei leben! e.V., Berlin (Markus Heller,
www.autofrei.de)
- GreenCity e.V., München (Stefan Taschner,
www.greencity.de)
- ITDP Europe e.V., Berlin (Jürgen Heyen-Perschon,
www.itdp-europe.org)
- Autofrei Wohnen, Berlin (Markus Heller,
www.autofrei-wohnen.de)
sowie
- World Carfree Network, Prag/Tschechien (Justin Hyatt,
www.worldcarfree.net
  
für Rückfragen:
- Markus Heller, autofrei leben e.V., Vorstand
- Justin Hyatt, World Carfree Network Europe, membership coordinator 
  
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Diese Pressemitteilung als PDF (90 Kb) und als TXT (5 Kb).
  
siehe auch die englische Pressemitteilung (als PDF, ~60 kb):
30.07.2007, World Carfree Network (> Press): World Carfree Network: Vandalism is not the answer 
  
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Hintergrund:
  
In einigen Presseartikeln, vornehmlich von Zeitungen des Axel-Springer-Konzerns (u.a. Die Welt, Berliner Morgenpost, Bild, u.ä.m.), wurde durch das Nebeneinanderstellen von Berichten über die jüngsten Luftablasser-Anschläge auf Autos in Berlin und Berichten über World Carfree Network bei oberflächlichem Lesen möglicherweise der Eindruck suggeriert, daß World Carfree Network (WCN) mit den Tätern in Verbindung stehen oder solche Taten gutheißen könnte (siehe 1. Liste). Der autofrei leben! e.V., Mitorganisator der 4. "Towards Carfree Cities" Konferenz (Juli 2004, Berlin), wird in einem Bericht der Berliner Morgenpost (27.07.2007) ebenfalls erwähnt.
  
Kein Journalist der in der nachfolgenden 1. Liste aufgeführten Zeitungen hat bis dato (Stand 03.08.2007) bei WCN oder einer seiner Mitgliedsorganisationen wie z.B. autofrei leben! e.V. persönlich angefragt.
  
1. Liste von Medienberichten, die WCN im Zusammenhang mit den Luftablasser-Anschlägen erwähnen:
  
- 21.07.2007, Berliner Morgenpost: Platte Reifen: Keine heiße Spur zu Tätern 
  
- 25.07.2007, Berliner Morgenpost: Protest gegen Autos 
  
- 27.07.2007, Berliner Morgenpost: Autohasser schlagen wieder zu | Täter sind international vernetzt. In Berlin beschädigten sie bisher 87 Autos. Staatsschutz ermittelt | Von Axel Lier und Hans H. Nibbrig 
  
- 27.07.2007, Die Welt: Kriminalität | Klimaschützer lassen Luft aus Autoreifen | Platte Autoreifen, daneben Flugblätter zum Klimawandel und fast hundert Strafanzeigen in sieben Monaten: Die Berliner Polizei ist mit einem neuen Phänomen konfrontiert. Seit Wochen lassen immer wieder Unbekannte Luft aus den Reifen zumeist hochmotorisierter Autos. Die Täter sind im ganzen Bundesgebiet aktiv. | Von Axel Lier und Hans H. Nibbrig 
  
- 27.07.2007, Berliner Zeitung: Brennende Autos im Osten, platte Reifen im Westen | Unbekannte verüben seit Monaten Anschläge. Angeblich bekämpfen sie die Globalisierung samt Umweltverschmutzung. Die Polizei ist ratlos | Lutz Schnedelbach 
  
- 27.07.2007, Reuters: German environmentalists wage war on gas-guzzlers (auch hier
  
- 27.07.2007, bloggernews.net: Berliner Luft gone missing | by Clarsonimus 
  
2. Liste von Medienberichten, die - ohne Erwähnung von WCN - über die Anschläge informieren:
  
- Berliner Polizei: Aktuelle Pressemitteilungen (Übersicht) 
  
- 20.07.2007, taz: Die fetten Autojahre sind vorbei | An rund 50 Geländewagen ließen unbekannte Täter in dieser Woche die Luft aus den Reifen. Sie fordern die sofortige Stilllegung der Dreckschleudern. Grüne: Fahrer dieser Autos sind asozial | von Nana Gerritzen 
  
- 20.07.2007, Der Tagesspiegel: Umweltschützer | Autohasser machen Reifen platt | Von Jörn Hasselmann 
  
- 25.07.2007, Die Welt: Kriminalität | Radikale verüben Anschläge auf Autos | In den östlichen Bezirken werden die Fahrzeuge angezündet, im Westteil lassen Täter die Luft aus den Reifen. So haben erneut Umwelt-Aktivisten in Steglitz-Zehlendorf hochmotorisierte Autos lahmgelegt, indem sie die Ventile der Reifen mit kleinen Gegenständen öffneten und die Luft abließen. | Von Axel Lier (vgl. auch Berliner Morgenpost) 
  
- 01.08.2007, Neues Deutschland (nur Print-Ausgabe): Brennende Autos, platte Reifen | Täter bekennen, Fahrzeuge zum Nutzen der Umwelt »stilllegen« zu wollen | Von Rainer Funke 
  
- 03.08.2007, Der Tagesspiegel: Proteste | "Klimaschweine": Umweltschützer attackieren Luxuswagen | Rabiate Methoden gegen klimaschädliche Autos: Radikale Umweltschützer kämpfen in der Hauptstadt verstärkt mit Gewalt gegen PS-starke Limousinen. Greenpeace entlarvt die "Klimaschweine" mit sanfteren Methoden. | Von Aliki Nassoufis, dpa 
  
3. Liste von Medienberichten, die unter Bezugnahme auf die Stellungnahme von WCN über die Anschläge informieren: 
  
- 02.08.2007, Süddeutsche Zeitung: Brennende Autos in Berlin | Jagd auf Luxuskarossen | Militante Umweltschützer terrorisieren in Berlin die Autofahrer. Sie haben es auf Modelle mit hohem Benzinverbrauch abgesehen - und fackeln wegen dem Klimaschutz schon mal Luxusautos ab. | Von Matthias Oden (auch hier)
Anmerkung zu einem Schreibfehler im Artikel: "autofrei" heißt auf englisch nicht "carefree" ("sorgenfrei"), sondern "carfree". 
  
- 03.08.2007, taz:
Steinchen im Ventil | Nicht nur das Anzünden von Autos, auch das Luftablassen bei teuren Geländewagen gilt neuerdings als subversive Aktion. Wie Umweltschützer nach neuen Formen politischer Militanz suchen | VON BARBARA DRIBBUSCH (auch hier)