autofrei leben!
- aber wie?

 

autofrei leben!
- geht denn das?

 

...wie sollte ich denn dann
- zur Arbeit kommen?
- Getränke einkaufen?
- mein Rad transportieren?

Ja, es geht. Trotz der allgemeinen Motorisierung lebt bundesweit ein Viertel aller Haushalte ohne Auto, in Großstädten bis zu fünfzig Prozent. Dies zeigt, dass sich alle konkreten Probleme lösen lassen. Und das autofreie Leben macht sogar Spaß. Die Mitglieder von autofrei leben! e.V. bestätigen das gerne. Beispiele für gelebte Freiheit vom Auto finden Sie im Lesebuch "Über Leben ohne Auto" (siehe Literaturliste am Ende dieser Broschüre).

Autofrei zu leben ist leicht. Schwierig ist nur die Umstellung, wenn man/ frau das Auto gewohnt ist und sein Leben abhängig davon eingerichtet hat.

 

Warum umsteigen?

Es sollen hier nur einige wichtige Gründe für den Ausstieg aus dem Autofahrerdasein genannt werden. Weitere Argumente finden Sie in Büchern wie "Über Leben ohne Auto" und "Automobilmachung" (siehe Literaturliste).

- Zeit- und Spaßgewinn
Im Stau zu stehen, ist verlorene Zeit. Beim Fahren mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann man lesen, nachdenken oder ausruhen. Wer Rad fährt, braucht kein Fitnessstudio.

- die eigene Gesundheit
Wer weniger Auto und mehr Rad fährt oder zu Fuß geht, lebt entspannter, länger und ist gesünder.

- die Umwelt und damit die Zukunft der Menschheit
Die negativen Auswirkungen von Autoabgasen, Verkehrslärm und Erdölförderung auf unsere Gesundheit und das Weltklima sind hinlänglich bekannt. Autofrei zu leben, ist eine Möglichkeit, sofort einen konkreten Beitrag zum Umweltschutz zu leisten.

- die Finanzen
Laut ADAC (motorwelt 4/2000) kostet ein Opel Corsa City 1.0 monatlich 311 €, ein Mercedes E 320 verschlingt 828 € pro Monat - wenn zu den Spritkosten ehrlicherweise noch Versicherung, Steuer, Wertverlust des Autos, Reparaturen etc. addiert werden. Im gesamten Leben macht das mindestens 100.000 € aus, die man erst mal verdienen muss. Eine Jahreskarte für den örtlichen Verkehrsverbund (z.B. Berlin) kriegt man schon ab 600 €.

 

Sprung ins kalte Wasser oder allmählicher Ausstieg?

Sind Sie Auto-süchtig? Bei einer Entziehungskur ist der Sprung ins kalte Wasser oft die beste Möglichkeit sich vor faulen Kompromissen und Rückfälligkeit zu schützen: Wenn Sie es sich zutrauen, verkaufen Sie ihr Auto einfach oder kaufen Sie kein Neues mehr, wenn diese Entscheidung ohnehin ansteht. Nach anfänglichen "Entzugserscheinungen" finden Sie einen neuen, autolosen Lebensrhythmus!

Ein allmählicher Ausstieg aus dem Autofahrerleben kann in drei Phasen aufgeteilt werden:

Entscheidungsphase: Eigene Wege finden

Den Schritt in die Autofreiheit kann nur jede/r Einzelne für sich selbst machen. Wir weisen hier auf einige motivierende Aspekte hin, zeigen die prinzipielle Machbarkeit auf. Als eine Entscheidungshilfe seien die Gründe/Vorteile der Autofreiheit (Warum umsteigen?) genannt.

Die Entscheidung zur Autofreiheit wirkt sich tiefgreifend auf die unmittelbaren Lebensbedingungen aus. Unsere Gesellschaft ist gegenwärtig stark auf den Autoverkehr ausgerichtet, und vielfach wird die Nutzung des Automobils als selbstverständlich vorausgesetzt. Übertritt man/ frau solche allgemeingültigen gesellschaftlichen Normen und Konventionen, muss man ein entsprechendes organisatorisches Geschick sowie etwas Nervenstärke und Selbstbewusstsein besitzen oder erwerben. Aus Erfahrung sei gesagt, dass Autofreiheit zwar häufig Ver-, aber auch sehr viel Bewunderung auslöst und nicht in die soziale Isolation führt. Ein autofreies Leben hat andere Rahmenbedingungen als ein Leben mit Auto. Beispielsweise gelten bei der Wohnungswahl unterschiedliche Kriterien. Autolos kann man in einer Wohnung ohne dazugehörige Garage oder in einem autofreien Wohngebiet leben, andererseits legt man nun Wert auf die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz und die Erreichbarkeit wichtiger Versorgungs- und Freizeiteinrichtungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Auch die Freizeitplanung verläuft anders: Der Autofreie geht abends vielleicht eher in das Vorstadtkino, das er in 20 Minuten zu Fuß von zu Hause aus erreichen kann, während Autofahrer sich bei ihrer Freizeitgestaltung und beim Einkaufen bedenkenlos über Entfernungen hinwegsetzen. Man fährt eventuell zu einem Landgasthof in einem 30 Kilometer entfernten Dorf zum Abendessen, ohne zu testen, ob die Gaststätte um die Ecke nicht vielleicht genauso gut ist. Ohne Auto wird die eigene Welt größer, und es gibt viel Neues zu entdecken. Unterschätzen Sie nicht den Gewöhnungs- und "Suchtfaktor", die emotionale Bindung, die Sie zu Ihrem Auto eventuell aufgebaut haben.

Haben Sie die Motivationsfrage positiv beantwortet, steht nur noch eine wesentliche Frage im Raum: Ist mein Alltag autofrei beherrschbar bzw. kann er entsprechend umgestaltet werden? Hier sind verschiedene Aspekte zu beachten, die in einer Vorbereitungsphase geklärt werden müssen.

Vorbereitungsphase: Hindernisse erkennen und beseitigen

Der Einstieg in die Autofreiheit wird in der Regel schrittweise stattfinden, das Auto wird immer weniger benutzt, stattdessen werden häufiger Alternativen genutzt, bis ein Zustand erreicht ist, an dem das Auto nutzlos herumsteht und die anfallenden Gebühren, Versicherungen, Steuern etc. nicht mehr gerechtfertigt sind. Sie können auch während einer Schnupperphase nur die Wochenenden autofrei verbringen oder für eine begrenzte Zeit "autofasten".

Nun ist es Zeit, folgende Punkte genauer zu betrachten:

Alltagswege mit öffentlichen Verkehrsmitteln

Kosten
Welche günstigen Pendler-/Vielfahrertarife gibt es?

Verfügbarkeit
Wo liegen die nächsten Haltestellen zu Wohnung, Arbeitsstelle, Kindergarten, Schule, Einkaufsläden? Welche Taktzeiten gibt es?

Mögliche Schwierigkeiten
Schlechte Anbindung der Wohnung oder des Arbeitsortes, Umsteigevorgänge, Pünktlichkeit, Überfüllungen zu Stoßzeiten, Sicherheit, Sauberkeit, komplizierte Tarifsysteme (z.B. bei Fahrten über Verkehrsverbundsgrenzen), Gepäcktransport.

Notfallpläne
Rufnummer der Taxizentrale notieren; Lage von Taxiständen, alternative Linien, Mitfahrmöglichkeiten bei Nachbarn/Kollegen.

Alltagswege mit dem Fahrrad

Kosten
Kaufpreis von Rad, wetterfester Kleidung und ggf. Anhänger, Wartung, Versicherung.

Verfügbarkeit
Radfreundliche Straßen und Wege, Alltagstauglichkeit des Rades, Befahrbarkeit der Wege im Winter / bei schlechtem Wetter.

Mögliche Schwierigkeiten
Umkleidemöglichkeit am Arbeitsplatz, schlechtes Wetter, diebstahlsichere und wettergeschützte Abstellmöglichkeiten.

Notfallpläne
Zweitfahrrad, Öffentlicher Nahverkehr (siehe oben).

Alltagswege zu Fuß

Kosten
Kaufpreis von wetterfester Kleidung und guten Schuhen.

Verfügbarkeit
Vorhandene sichere Fußwege, Begehbarkeit der Wege im Winter / bei schlechtem Wetter. Schleichwege entdecken.

Mögliche Schwierigkeiten
Gepäcktransport, weite Wege.

Notfallpläne
Taxi, Öffentlicher Nahverkehr (siehe oben).

Freizeitwege

Kinos und Restaurants im eigenen Viertel testen, Nachtlinienpläne beachten, Sammeltaxis und Abholdienste nutzen.

Transport schwerer/sperriger Gegenstände

Lastenfahrräder, Anhänger oder Handkarre, Taxi, Versandhandel, Lieferdienste.

Reisen/Urlaub

Eisenbahn (für lange Strecken sind Nachtzüge vorteilhaft), Rabatte über Bahncard, Gruppentickets und Spezialtarife wie Plan & Spar, Wochenendticket, Regionaltickets.
Busreisen (europaweit, teils mit attraktiver Fahrradmitnahmemöglichkeit). Rechtzeitige Reservierung. Gepäck evtl. vorausschicken. Abholservice durch Hotel/Pension. Geräteleihe vor Ort (Fahrrad, Surfbrett, Kanu, Ski ...).

Unterstützende Maßnahmen

Wohnung in günstiger Lage wählen
Nähe zur Arbeitsstelle, zu Haltestellen öffentlicher Verkehrsmittel, zu Schulen oder Kindergärten. Mögliche Wechsel bei Kindergarten, Schule. Freizeitaktivitäten im voraus besser planen.

Urlaubsziele mit guter Verkehrsanbindung wählen
Lage zum nächsten Bahnhof? Busliniennetz für Ausflüge? Öko-Reiseveranstalter ?

Durchführungsphase: Fesseln lösen

Nach guter Vorbereitung sind die nächsten Schritte problemlos und schnell durchgeführt:

- Autoverkauf

- Autoabmeldung

- Autoversicherung kündigen

Danach ist Durchhalten angesagt. Wichtig sind positive autofreie Erlebnisse. Diese kann man durch gezielte Freizeitaktivitäten herbeiführen, z.B. die nähere Umgebung zu entdecken. Moralische Unterstützung bietet auch der Kontakt zu Gleichgesinnten z.B. im Verein autofrei leben! e.V.

 

Stichwortverzeichnis

Hier noch einige Informationen, Gedanken und Erfahrungen zu einzelnen Stichworten.

Arbeitsplätze - "Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom Auto ab", so wird oft argumentiert. Dies beträfe rund fünf Millionen Menschen. Tatsächlich ist der Automobilindustrie (rund 720.000) und den Zulieferbetrieben (etwa 800.000.) zusammen gerechnet jeder 27. Arbeitsplatz zuzuschreiben. Der größte Anteil wird dem Bereich "Nutzung und Vertrieb" mit 3,35 Millionen Arbeitsplätzen angerechnet. Hier werden Beschäftigte von Banken, Versicherungen und Behörden großzügig mit gerechnet. Hinzu kommen Beschäftigte im Gesundheitsbereich, bei der Polizei, in den Ordnungsämtern und bei Versicherungen.

Zwar hängen viele Arbeitsplätze vom Auto ab. Das heißt aber nicht, dass dies für alle Zeiten so bleiben muss. Die Zahl der Beschäftigten in der Automobilindustrie liegt unter jener der achtziger Jahre. Grund sind Rationalisierungen in der Fertigung und Verlagerungen ins Ausland. In einer Untersuchung aus dem Jahre 1998 wurde nachgewiesen, dass schon bei einer Senkung der Pkw-Verkehrsleistung um 10 Prozent im Saldo rund 200.000 neue Arbeitsplätze entstünden. Wer in der Autoproduktion "entbehrlich" würde, könnte entsprechende Tätigkeiten in der Bahn- und Busindustrie erhalten. Und im Ernst: Fahren Sie Auto, um die Arbeitsplätze in der Autoindustrie zu sichern?

Bio-Sprit (z.B. Öl aus Raps od. Alkohol aus Weizen)
Zur Deckung des Energiebedarfs der deutschen Pkw-Flotte wäre mehr landwirtschaftliche Fläche vonnöten als Deutschland überhaupt hat. In einer Situation, in der ein Ende des Welthungerproblems noch nicht absehbar ist, würden potenzielle Lebensmittel zu Sprit verarbeitet. Zwar gibt es rechnerisch weltweit genug Anbaufläche, um alle Menschen zu ernähren, doch treiben die reichen Länder durch ihren übermäßigen Konsum die Preise in die Höhe, so dass für die armen Länder zu wenig übrig bleibt. So wird schon heute aus Hungerländern Soja exportiert, um in den Industrienationen Tiermast zu betreiben. Bio-Sprit würde diese Situation verschärfen.

Car-Sharing - Wenn man Car-Sharing nutzt, lebt man nicht wirklich autolos. Für den Übergang zum autofreien Leben kann es aber ein akzeptabler Kompromiss sein. Car-Sharing gibt es in allen größeren Städten (siehe z.B. Gelbe Seiten). Normalerweise zahlt man eine Aufnahmegebühr, eine monatliche Grundgebühr und zusätzlich die gefahrenen Kilometer. Kostenlose Beratung nutzen.

Großeinkauf - Früher ging das auch ohne Auto oder Pferdefuhrwerk. Mit den richtigen Gepäckträgern, Rucksack, Radtaschen oder Anhänger ausgestattet, kann ein Rad viel transportieren. Es gibt die Möglichkeit, sich Lebensmittel (z.B. Getränke) oder anderes nach Hause liefern zu lassen, ein Lastentaxi zu bestellen oder eine Spedition zu beauftragen. Oder man kauft einfach öfter kleinere Mengen.

Elektroauto - Gegenüber den Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor haben sie den Vorteil der geringeren Lärmentwicklung, aber nur auf den ersten Blick auch den geringerer Emissionswerte. Denn bei der Erzeugung des Stroms für die Aufladung der Batterien entstehen natürlich auch Abgase, nur eben anderswo.Fahrkartenautomaten - Fahrkartenautomaten nehmen dank Fortschritt der Technik heutzutage fast alles: Kleingeld, Scheine, Geldkarte, EC-Karte. Mit Fahrkartenautomaten sollte man sich vertraut machen, wenn man Zeit hat. Zeitkarten ersparen im Nahverkehr die häufige Automatennutzung. Schwarzfahren schadet uns allen.

Fahrpläne - Fahrpläne zu lesen fällt Neulingen so schwer wie einem Fahranfänger das Interpretieren von Straßenkarten. Zu achten ist ganz besonders auf kleine Kreuze und andere Symbole, die besonders am Sonntag, Weihnachten oder Silvester bedeuten können, dass dieser Bus/ Zug heute nicht fährt. Fahrpläne gibt es kostenlos oder gegen Schutzgebühr am Bahnhof bzw. für den Bus beim Fahrer. Konkrete Verbindungen (oft von Haustür zu Haustür) erhalten Sie über die telefonische Bahnauskunft oder über das Internet (www.bahn.de). Wenn man unsicher ist, kann man sich auch stressvermeidend (früh genug !) am Bahnschalter / im Reisebüro beraten lassen.

Getränke einkaufen - Sprudelkisten können Sie auf dem Gepäckträger des Fahrrads, im Fahrradanhänger oder per Handkarre transportieren. Sie können sich Getränke aber auch liefern lassen, mit dem Taxi en gros nach Hause bringen oder Sprudel mit einem Sodagerät aus Leitungswasser selbst herstellen.

Jobticket - Zeitkarten gibt es für Mitarbeiter vieler Firmen besonders günstig, wenn eine Abmachung mit dem jeweiligen Verkehrsverbund besteht.

Katalysator - Der Katalysator reinigt die Abgase, hat aber andernorts fatale Auswirkungen: Die Gewinnung der nötigen Metalle in Russland und Südafrika verwüstet Landschaften und erzeugt dort wiederum Emissionen. Ein Drittel des weltweiten Bedarfs an Platin und die Hälfte bei Palladium gehen inzwischen in die Katalysator-Produktion. Übrigens ist bei kurzen Betriebszeiten der Katalysator kalt und damit wirkungslos. Bei hohen Geschwindigkeiten (Überhitzungsgefahr) wird er automatisch abgeschaltet.

Kinder - Kinder mögen das Stillsitzen im Auto nicht. Im Zug haben sie mehr Bewegungsfreiheit und fahren kostenlos mit, wenn sie unter 15 Jahre alt sind. Um öffentliche Verkehrsmittel mit Kinderwagen benutzen zu können, sollten diese nicht breiter als 580 mm, zusammenklappbar und nicht zu schwer sein. Für das Rad gibt es gute Kindersitze und sehr sichere Radanhänger.

Kleidung - Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Autofahrer oft untaugliche Kleidung tragen? Ledersohlen im Winter, keine Jacke dabei, Mützen sind aus der Mode gekommen. Fußgänger und Radfahrer dagegen müssen sich mit der Witterung auseinandersetzen und ggf. auch mal wie ein Eskimo aussehen. Es macht Sinn, im Büro Kleidung zum Wechseln zu deponieren.

Ländliche Fahrtziele - Es gibt Gegenden, die von dem öffentlichen Verkehrsnetz am Wochenende so gut wie abgeschnitten sind. In diesem Fall bietet es sich an, vom nächsten größeren Bahnhof aus mit dem Rad zu fahren. Das Rad kann man im Fahrradabteil des Zuges transportieren oder, wenn dies nicht vorhanden ist, ein Faltrad verwenden. Wenn auch das nicht möglich ist, bleibt immer noch Car Sharing.

Notfall - Viele Menschen behalten ihr Auto mit der Begründung bzw. Angst, es könnte ja doch einmal "etwas" passieren, das nur mit dem Auto zu meistern wäre. Diese Angst ist eher irreal, denn für den Notfall gibt es immer noch Notarzt und Feuerwehr oder Taxis, die sogar noch den Vorteil haben, dass man auf einen professionellen Fahrer vertrauen kann, während man selbst in der Nervosität Fahrfehler machen würde. Gerade die Angst vor Notfällen zeigt, wie sehr Autofahrer ihr eigenes Fahrzeug mit Autonomie und Selbstbestimmung verbinden: Ohne auf andere Menschen angewiesen zu sein, kann man sich selbst und andere jederzeit an jeden Ort transportieren. Aber: Leben wir denn nicht in einem sozialen Geflecht aus Menschen und Dienstleistungen?

Prestige - Zweifellos, ein teures Auto ist ein Prestigeobjekt. Allerdings kann derjenige, der seiner selbst sicher ist, auf solche Attribute souverän verzichten. Außerdem wirkt es sehr individuell und sportlich, wenn man statt mit dem Cabrio per Rennrad, Faltrad oder Liegerad vorfährt.

Regen und Glatteis - Ein Wanderersprichwort sagt: "Es gibt kein schlechtes Wetter sondern nur unangepasste Kleidung." Das gleiche gilt für das Radfahren. Regenkleidung und Überziehhosen schützen die Kleidung vor Wasser, so dass man am Ziel trocken aus der Verpackung schlüpfen kann. Es empfiehlt sich etwas langsamer zu fahren, damit man nicht schweißgetränkt ankommt. Bei Glatteis sollte man, wie ein Autofahrer auch, angemessen vorsichtig fahren, und man kann im Gegensatz zum Autofahrer an kritischen Stellen absteigen und schieben. Für das Rad gibt es auch Spikes. Öffentliche Verkehrsmittel haben in extremen Fällen auch Probleme mit Glatteis, aber da ein Bus eine bessere Straßenlage als ein Auto hat, kommt es nur selten zu Unfällen, maximal zu Verspätungen.

Reisen - Eine Reise ohne Auto verläuft anders als eine mit. Es gibt für jeden Geschmack attraktive autofreie Alternativen: Per Bahn (und ggf. Bus oder Taxi) an einen festen Ort: Gepäck kann vorausgeschickt werden; mittlerweile gibt es viele Urlaubsregionen im In- und Ausland, die sich auf autofrei anreisende Urlauber eingestellt haben (beispielsweise durch gute Bahn- und Busangebote, Abholdienst der Hotels/Pensionen vom Bahnhof, Fahrradverleih, etc.). In der Ferienzeit ist eine Platzreservierung ratsam. Die Anfahrt per Zug ist allemal weniger anstrengend und meist auch schneller als per PKW auf überfüllten Autobahnen. Per Fahrrad: Bei einem Fahrradurlaub erleben Sie Land und Leute wesentlich intensiver als mit dem Auto. Man kann zwar nicht so viel Gepäck transportieren, "Umsteiger" werden aber feststellen, dass das meiste, was im Auto zusätzlich mitgenommen wurde, sich unterwegs als entbehrlich herausstellt. Wer nicht direkt von daheim losradelt, kann mit der Bahn oder speziellen Fahrradbussen anreisen. Inzwischen ist auch im europäischen Ausland die Fahrradmitnahme im Zug grundsätzlich möglich (außer in Schweden). Auf den Fähren nach Griechenland und Skandinavien werden die Räder in der Regel kostenlos befördert. Zur Vorbereitung auf einen Radurlaub und zu geeigneten Reiseregionen gibt es z.B. bei ADFC oder VCD umfangreiche Informationen. Fliegen ist ökologisch gesehen eine schlechte Alternative zum Autofahren. Urlaub in der Nähe bedeutet jedoch keineswegs weniger Erlebnis- und/oder Erholungswert als eine Fernreise.

Sicherheit - Die Bahn ist deutlich sicherer als das Auto. Bahnunglücke sind so selten, dass die Presse über jedes einzelne bundesweit berichtet - Autounfälle greift oft nicht einmal die Lokalpresse auf. Im Jahr 1997 gab es bundesweit 274 Tote durch Schienenverkehrsunfälle und 8.549 Tote durch Straßenverkehrsunfälle. Auf 1 Milliarde gefahrene Kilometer starben damit 0,8 Bahnreisende, aber 7,7 Straßenreisende. Für Radfahrer gehören ein verkehrssicheres Rad, Kenntnis der Straßenverkehrsordnung und wache Sinne zur Grundausstattung des Selbstschutzes. Bezogen auf die Zeit, die man sich im Straßenverkehr aufhält, ist Autofahren etwa 1,5-mal gefährlicher als Radfahren. Am allerhäufigsten sind bei Radfahrern Alleinunfälle (Stürze). Bei den übrigen Unfällen sind die häufigsten Unfallgegner Fußgänger, Radfahrer und schließlich Autos und Lkw. Bei der Unfallschwere lautet die Reihenfolge genau umgekehrt.

Transport von Möbeln etc. - Möbel transportiert man glücklicherweise nur selten. Für kurze Strecken eignet sich hier ein Handkarren oder Fahrradanhänger, für größere Strecken kann man sich einen Wagen leihen. Es gibt auch Lastentaxis und Lieferangebote der Händler. Unerschrockene transportieren aber fast alles auf ihrem Rad.

Verspätung von öffentlichen Verkehrsmitteln - Diese kommen genauso vor wie Verspätungen mit dem eigenen Auto. Gerade der Umgang mit Verspätungen zeigt den Unterschied zwischen der Autofahrer- und Bahnfahrermentalität: Ein Autofahrer ist immer Herr seiner Lage, selbst am Steuer und wählt seine Strecke selbst. Auch dann wenn er im Sommerferienanfangsstau schmort, fühlt er sich noch als Individuum. Das Beifahrersein an sich fällt ihm schwer. Der erfahrene Bahnfahrer dagegen hat sich damit abgefunden, die Verantwortung für sein Vorankommen anderen zum großen Teil zu überlassen und genießt diese Unbeschwertheit, hat immer genug Lesestoff und Picknick dabei, um auch Verzögerungen zu überleben und erweist sich als erfahrener Fuchs erfinderisch beim Austüfteln von Alternativverbindungen.

Wasserstoffauto - Auch Wasserstoff muss unter Einsatz von Energie gewonnen werden. Wird er im Reformingprozess aus Erdgas gewonnen, entsteht mehr CO2 als bei der direkten Verbrennung des Treibstoffs. Bei der Herstellung aus Wasser (Elektrolyse), evtl. unter Einsatz von Solarstrom, geht durch die verschiedenen Umwandlungsprozesse viel Energie verloren.

Zugfahrten - Das Reisen oder Pendeln mit dem Zug hat seinen Reiz für sich. Man lernt sehr leicht Menschen kennen, während sich beim Autofahren die Kommunikation auf Hupen, Winken oder andere Gesten beschränkt.

Zweitrad - Ein zweites Fahrrad kann nützlich sein, zum Beispiel um es einem Gast auszuleihen und gemeinsam einen Ausflug zu machen oder um es an einem Bahnhof zu deponieren.

 

Ihre Mobilitätskosten und Ihr persönliches Sparpotenzial

Machen Sie eine Liste. Welche Wege lege ich zurück? Wie oft, wie viele Kilometer?
- täglich (z.B. zur Arbeit)
- wöchentlich (z.B. Abendkurse)
- gelegentlich (Besuche, Reisen, Veranstaltungen)?

Rechnen Sie die Kilometer auf den Monat hoch.

Jährliche Kosten für das Auto

Benzinkosten
= Kilometersumme pro Monat
- 12 Monate
- Verbrauch in Liter pro Kilometer
- Benzinpreis pro Liter

Abschreibung
= erwarteter Wertverlust Ihres Autos im nächsten Jahr

Reparaturen und Ersatzteile
= Summe vom Vorjahr als Richtwert

Parkgebühren und Strafzettel
= Summe vom Vorjahr als Richtwert

Steuer

Versicherung

Garage/Stellplatz

Anmerkung: Ein Kilometer kostet bei einem VW Golf 1.4 ungefähr 27 Cent, siehe Autokostentabelle ADAC Motorwelt Heft 4, April 2000, S. 46/47.

Jährliche Kosten für den autofreien Verkehrsmix

Welche der oben genannten Wege kann ich mit welchem Verkehrsmittel zurücklegen? Welche zu Fuß, mit dem Rad, mit den öffentlichen Verkehrsmitteln Bus und Bahn, im Notfall Car Sharing?

- tägliche Wege,
- wöchentliche Wege,
- gelegentliche Wege?

Kosten
   Zeitkarten bzw. Einzelfahrkarten
+ Abschreibung und Reparaturen an Fahrrad und evtl. Anhänger
+ Car-Sharing-Gebühr und Kilometerpreis

Normalerweise lohnt sich eine Zeitkarte für den Nahverkehr. Wenn man zu Fuß oder per Rad zur Arbeit gelangen kann, ist eine Zeitkarte, die nur außerhalb der Zeiten des Berufsverkehrs gilt (z.B. Ökoticket) in vielen Verkehrsverbänden eine sinnvolle Alternative.
Zumeist ist die Ersparnis so groß, dass man für die restlichen Wege mehrmals monatlich ein Taxi nehmen könnte. Aber das braucht man kaum, wenn man sich erst an das autolose Leben gewöhnt hat.

 

Weiterführende Literatur

Über Leben ohne Auto, Ein Lesebuch / Huhn, N.; Lemke, M. (Hrsg.), ökom-Verlag, München, ISBN 3-928244-60-4, 2. Auflage (2001). Kurze Inhaltsangabe

Asphalt Nation: How the automobile took over America, and How we can take it back / Holtz Kay, J., University of California Press, ISBN 0520216202, (1998).

Automobilmachung / H. Williams, Zweitausendeins, Frankfurt am Main, 1. Auflage(1992).

Busse + Bahnen: Mobilität für Menschen und Güter / Alba Publikation, Düsseldorf, ISBN 3870947403, (1995).

Carfree Cities / Crawford, J.H., International Books, ISBN 90 5727 037 4, 1. Edition (2000).

Das Fahrrad - Verkehrsmittel für einen kleinen Planeten / Lowe, M.D., Wochenschau-Verlag, (Worldwatch papers, Bd. 1), ISBN 3-87920-700-3, Schwalbach, deutsche Ausgabe (1992).

Die Tempomacher - Freie Fahrt ins Chaos / Wille, J., C.H.Beck Verlag, ISBN 3406330266,(1988).

Divorce Your Car!: Ending the Love Affair with the Automobile / Alvord, K.T., New Society Publishers, ISBN 0865714088, (2000).

Eingebaute Vorfahrt / Schmidt, M., Mainhatten Verlag, Pf. 111301, 60048 Frankfurt, ISBN 3-9803508-8-6, Originalausgabe (2002). Kurze Inhaltsangabe

Eisenbahn und Autowahn / Wolf, W., Verlag Rasch und Röhring, ISBN 3-89136-105-X (1987).

Fahrzeuge Stehzeuge - Der Stau ist kein Verkehrsproblem / Knoflacher H., Böhlan Verlag, Wien (2001).

Öffentlicher Nahverkehr / Reinhardt, W., ISBN 3804146236, (2000).

Reisen zu autofreien Orten in der Schweiz / Schwander, A., Reinhardt Media-Service, Basel 2005, ISBN: 3-7245-1283-X. Rezension

Stadtradeln, Kleine Philosophie der Passionen / C. Ude, Deutscher Taschenbuch Verlag, München, ISBN 3-423-20364-1, Originalausgabe (2000).

Strassen für alle. Analysen und Konzepte zum Stadtverkehr der Zukunft / Heiner Mohnheim, ISBN 3891363680 (1991).

The Elephant in the Bedroom / Hart, S.I., Spivak, A.L., Hope Publishing House, ISBN 0932727646, (1993).

The Party's Over. Das Ende der Ölvorräte und die Zukunft der industrialisierten Welt. / Heinberg, R., Riemann Verlag, München 2004, ISBN 3-570-50059-4. Rezension

Verkehr ohne (W)Ende / Giese, E., dgvt-Verlag, ISBN 3871590134, (1997). Kurze Inhaltsangabe m. Inhaltsverzeichnis

Umfangreiche Literaturlisten zum autofreien Leben auch hier:
- CAS: www.clubderautofreien.ch/dokumente/literatur/literatur.php?n=4
- WoA: www.wohnen-ohne-auto.de/Literaturliste2006.pdf (PDF, 116)
- WCN: www.worldcarfree.net/resources/free.php (engl.)
- carfree.com: www.carfree.com/print.html (engl.)

 

Internet-Adressen

autofrei leben! e.V.
www.autofrei.de

Regionaladressen von autofrei leben! e.V.
www.autofrei.de/wb/pages/verein-vor-ort.php

Nahverkehr

Nahverkehrswegweiser (D, A, CH, FL)
www.lokomotive.de/fahrplan

Nahverkehrsübersicht
www.nahverkehr-online.de

Portal für ÖPNV
www.oepnv.de

Reisen

Autofreie Schweizer Urlaubsorte
www.gast.org

Schweizer Bahn
www.sbb.ch

Österreichische Bahn
www.oebb.at

Deutsche Bahn AG
www.bahn.de
reiseauskunft.bahn.de

European Railway Server
www.railfaneurope.net

Günstiges Reisen mit der Bahn (Linkübersicht)
www.autofrei-wohnen.de/mitfahren-bahn.html

Interrail
www.interrailers.net

Mitfahrzentralen (Linkübersicht)
www.autofrei-wohnen.de/mitfahren-pkw.html

Möbeltransport
www.die-moebel-mitfahr-zentrale.de

Überregionale Buslinien
www.deutsche-touring.com
www.eurolines.com 

viele Tipps & Infos für Wanderreisen in (fast) alle Länder der Welt
www.wandern.de (Reisebüro cG Touristic)

Fahrrad

Allg. Deutscher Fahrrad-Club
www.adfc.de

Bund Deutscher Radfahrer
www.bdr-online.org

Europ. Radfahrer Verband
www.ecf.com

Newsgroup
news:de.rec.fahrrad

Radreisen
www.bike2b.de

Radtouren-Übersicht
www.radtouren-online.de

Direktverbindungen mit dem Rad
www.radweit.de

Vereine/Organisationen

Arbeitskreis Verkehr und Umwelt
www.umkehr.de

Autofreies Wohnen
www.autofrei-wohnen.de

BUND
www.bund.net

Initiative Bürgerbahn statt Börsenbahn
www.buergerbahn-statt-boersenbahn.de

Bündnis Bahn für Alle
www.bahn-fuer-alle.de

Fahrgastverband Pro-Bahn
www.pro-bahn.de

Greenpeace
www.greenpeace.de

Human Powered Vehicles Club
www.hpv.org

World Carfree Network (WCN, internationales autofreies Netzwerk)
www.worldcarfree.net

Carbusters (Magazin)
www.carbusters.org

Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung des Landes NRW (ILS)
www.wohnen-plus-mobilitaet.nrw.de

Klimabündnis europäischer Kommunen
www.klimabuendnis.de

Naturschutzbund
www.nabu.de

Mobilitätsdienstleistungen
www.das-verkehrsbuero.de

Mobil ohne Auto - Aktionstage MoA & AfH
www.mobilohneauto.de

22. September - Europäischer Autofreier Aktionstag
www.22september.org

Öko-Institut
www.oeko.de

VCD
www.vcd.org

WWF
www.wwf.de

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