PARK(ing) Day Aktion am Sonntag, 21. Juni 2009, 10 - 16 Uhr
   
in Berlin-Mitte, Oranienburger Straße, nahe Hackescher Markt (Stadtplanlink)
  
Eine Gemeinschaftsaktion, initiiert von autofrei leben!, koordiniert von Paula Marie Hildebrandt, mit der Berliner Gruppe von Loesje und vielen Einzelpersonen (siehe ganz unten unsere Pressemitteilung).
  
Wir gaben uns den Namen Repair.Berlin und planen weitere Aktionen in Berlin - solcherart und andere. Wer mitmachen möchte, nehme Kontakt auf !
  

Noch beim Aufbau: Unser Plakat. Das Efeutor. Der Grünteppich. Foto (1): Paula Marie Hildebrandt

  
Zum Ablauf:
  
Wir hatten alles via eMail und 3-4 Organisationstreffen vorbereitet. Am Tag vorher machten wir einen kleinen Test in der Alten Schönhauser Straße / Ecke Linienstraße. Dort hatte uns das Künstlerkollektiv PLATOON eingeladen, das uns auch 2 Grastische auslieh:
  

Foto (2): Paula Marie Hildebrandt
  
Am 21.6. brachten wir morgens um halb 10 mit einem Lastenrad die beiden Grastische und das Angel-Modell-Spiel zur vorgesehenen Stelle in der Oranienburger Straße. Wir hatten diesen Platz aufgrund der vielen Touristen, die dort auf ihrem Weg zwischen Museumsinsel und den Hackeschen Höfen vorbeikommen, gewählt. Dort waren glücklicherweise sehr viele Parkplätze frei, so daß wir gar nicht warten mußten bis jemand wegfuhr. Ein paar Dinge wurden mit einem Auto gebracht, was wirklich schade war, weil alles in ein 2. Lastenrad gepaßt hätte, das bereits organisiert war, aber es klappte leider irgendwie nicht. Die nächste Aktion wird dann komplett autofrei!
  

Foto (3): Uhlemann / Berliner Kurier
  
Zuerst bauten wir alles auf der südlichen Straßenseite auf, weil dort der breitere Gehweg mehr Platz für stehenbleibende Passanten bot. Später zogen wir auf die gegenüberliegende Straßenseite um (rechts neben dem "Meilenstein"), wo wir schön in der Sonne saßen. Ein Nachteil dort war, daß wir direkt vor einem Imbiß waren und die meisten Passanten offenbar vermuteten, daß unsere Aktion eine Art Schankvorgarten von diesem Imbiß sei. Was aber letztlich auch nicht so schlecht ist: Ein Problem dieser Gegend, in der wir die Aktion machten, ist ja gerade, daß dort praktisch alle Kneipen mit ihren Tischen und Bänken die Gehwege zustellen, anstelle dafür einfach die Stellplätze auf der Straße zu benutzen (die "Spandauer Vorstadt" ist das zentrale Touristen- und Ausgehviertel von Berlin, zwischen Museumsinsel und Prenzlauer Berg. Es gibt dort mehr Kneipenplätze als Einwohner).
  
Die Reaktionen der Behörden:
  
Während des Aufbaus kam eine Parkscheinkontrolleurin vorbei, die sich einfach über unsere Aktion freute ("Aktionen find` ick imma jut") und ganz begeistert war, daß wir sogar Parkscheine ziehen würden. Später kam eine andere Kontrolleurin, die uns aber nicht weiter beachtete.
  

Paula hängt den allerersten Parkschein an die Wäscheleine. Foto (4): Uhlemann / Berliner Kurier
  
Die Polizei fuhr zweimal vorbei. Beim ersten Mal hielt sie 100 Meter hinter uns, fuhr dann aber doch weiter. Beim 2. Mal hielt sie noch nicht mal mehr an. Kann sein, daß unsere Kiezpolizisten einfach an die vielen Kunstaktionen im Quartier gewöhnt sind ...
Den Verkehr auf der Straße und auf dem Gehweg behinderten wir nicht, das wäre auch nicht die Idee einer PARK(ing) Day Aktion.
  

Unsere Parkscheine. Die Parkraumbewirtschaftung im Gebiet gilt täglich von 9 bis 24 Uhr. Foto (5): Paula Marie Hildebrandt
  
Die Presse ließ sich leider trotz individueller Einladungen per e-Mail und Telefon und vielen interessierten Zusagen nicht blicken, mit Ausnahme des Berliner Kurier, einer großen Boulevardzeitung, die am nächsten Tag einen kleinen Bericht machte (in der Tagesausgabe auch mit Foto).
   
Weitere Erfahrungen bzw. Verbesserungen für zukünftige PARK(ing) Day Aktionen:
  
- Wir hatten zu wenig Stühle. So blieben wir meistens unter uns, was zwar auch schön war, aber es setzten sich eben kaum Passanten zu uns. Es kam dennoch zu vielen Gesprächen mit Passanten, viele sprachen uns an, worum es denn ginge, viele machten Fotos oder freuten sich einfach. Aggressiv-pöbelnde Reaktionen gab es gar nicht, negative Reaktionen gab es nur ein- oder zweimal, alle anderen Passanten fanden unsere Aktion prima.
  

Foto (6): Paula Marie Hildebrandt
  
- Das Angel-Spiel (eine Idee von Heiko Bruns) wurde zu selten gespielt, nächstes Mal muß vielleicht irgendein Hinweis dazugelegt werden. Oder wir müssen es dauernd spielen, damit die Leute sehen, wie es geht ... Es muß ohnehin weiterentwickelt werden, in der [afl-intern]-Mailingliste gab es bereits viele Anregungen, und vielleicht fällt uns dann auch noch der geniale Name dafür ein. Wir spielten es erstmal wie angekündigt: Wer ein Auto aus dem Stadtmodell herausangelt, bekommt zur Belohnung ein Parkplätzchen. So können die Kinder den Politikern vormachen, wie es geht.
  

Gar nicht so leicht, die Autos aus der Stadt heraus zu angeln. Aber mit etwas Geduld klappt das schon. Foto (7): Uhlemann / Berliner Kurier
  
Die Fassaden meines Stadtmodells sind übrigens inspiriert von den zauberhaften poetischen Comics der deutsch-amerikanischen Künstlerin LGX Lillian Mousli.
  

Foto (8): Uhlemann / Berliner Kurier
  
Fazit:
  
Alles in allem finde ich im Nachhinein, daß es alles doch viel einfacher und unkomplizierter war als gedacht, vor allem, weil sich 4-5 Leute alle Aufgaben teilten. Und es hat einfach Spaß gemacht. Zur Nachahmung empfohlen!
  

Hier werden die Autos aus der Stadt herausgeangelt. Im Vordergrund auf einem Grastisch ein Parkschein und ein paar Parkplätzchen. Foto (9): Uhlemann / Berliner Kurier
   
Bericht: Markus Heller
  
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(PARK)ing Day Berlin - Pressemitteilung
  
Park statt Parkplatz!
   
21. 06. 2009, 10-16 Uhr, Berlin-Mitte, Oranienburger Straße (nähe Hackescher Markt) - Der Parkplatz wird zum spontanen Park. Wir machen die Stadt wie sie uns gefällt, laden Passanten, Anwohner und Touristen ein, eine kleine Pause im Grünen zu machen - inmitten der Stadt. JedeR kann mitmachen.
  
Der PARK(ing) Day ist ein Angebot, zufällig neue Menschen kennenzulernen und eine Aufforderung zur spielerischen Nutzung der Stadt: Picknicken, reden, chillen und relaxen. Es gibt eine Parkbank, Klappstühle, eine Efeu-berankte Pergola, Rollrasen, Sonnenstühle und -schirme. Und wer ein Auto aus dem Stadtmodell angelt, bekommt ein selbstgebackenes „Parkplätzchen“.
  
Der PARK(ing) Day wurde 2005 von dem Künstlerkollektiv REBAR aus San Francisco erfunden. In kürzester Zeit fand diese Aktionsform Nachahmer quer durch die USA, von Sao Paulo bis Melbourne, auf der ganzen Welt.
  
RepairBerlin ist eine Gruppe von Aktiven: Handwerker, NGOler, Bildende Künstler, Wissenschaftler, Styler, Architekten, Kreativwirtschaftler und Verkehrsplaner. Wir nutzen den Berliner Sommer für StadtAktionen. Mit symbolischen Interventionen schafft RepairBerlin Gelegenheiten, die Stadt und den öffentlichen Raum anders wahrzunehmen und zu nutzen.
   
Mehr Infos ...
... zum PARK(ing) Day Berlin:
RepairBerlin.de 
  
... zum Aktionsformat:
PARKingDay.org | REBARgroup.org  
  
... Beispiel-Videos:
weltweite PARK(ing) Day Aktionen, Compilation von World Carfree Network:
YouTube.com/view_play_list?p=7C21E60C9CA48034
Tip: das 3., der Trailer von REBAR (englisch, 4:05 min)
  
... zum Mobil ohne Auto Tag (MoA):
MobilOhneAuto.de
  
Kontakt Repair.Berlin:
Paula Marie Hildebrandt
Mail: info [ätt] repairberlin [Punkt] de
    
Markus Heller
Kontakt: hier
  
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Tasche. Foto (10): Uhlemann / Berliner Kurier
  
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letzte Aktualisierung: 23.07.2009