autofrei leben! beim Stadtgespräch Klimaschutz

Berlin, 25. November 2009

Kommt denn überhaupt jemand?“ habe ich mich vor dem Stadtgespräch Klimaschutz in der Alten Kantine gefragt. „Hipper Ort, aber wenig Werbung für diese Talkrunde zum Thema umweltfreundliche Mobilität“. Mit ca. 50 Gästen war der Raum doch gut gefüllt. Neben mir als Vertreter von autofrei leben! saßen Ulrike Saade von der Agentur Velokon­zept, Stefan Gulas, Erfinder eines Mensch-Maschine-Hybrid-Motorrads (eRockit), Karsten Schulze von Haru-Reisen als ökologisch orientierter Busunternehmer und Eckart Schenk, der an der TU Berlin zu „Neuem Gemeinschaftsverkehr auf dem Lande“ forscht, als Vertreter der Umland­be­wohner auf dem Podium.

Die Ansätze und Ansichten waren breit gestreut: Das eRockit soll “Fortbewegung neu defi­nieren“ und laut Stefan Gulas den Porschefahrer von vier auf zwei Räder locken. Ulrike Saa­de organisiert Messen und andere Veranstaltungen rund um das Fahrrad, die mehr Men­schen auf den Sattel bringen sollen. Einen Trend zur Elektromobilität bei Fahrrädern mithilfe der Pedelecs sah auch sie.

Stadtgespräch Klimaschutz
 (v.l.n.r.) verdeckt Eckhart Schenk, Heiko Bruns, Karsten Schulze, Ulrike Saade und
Stefan Gulas,  [Foto: A. Nebel, HWK Berlin]
Karsten Schulze berichtete davon, dass er seine neun Erdgasbusse verkaufen und fast 30 Mitarbeiter entlassen musste als ihm die BVG den Vertrag kündigte. Seiner Einschätzung nach wird das Potenzial zur CO2-Minderung im Busverkehr verkannt. Mit dem Bürgerbus Gransee, den Eckart Schenk wissenschaftlich begleitet, sollen mehr Menschen im ländlichen Raum zur Nutzung des ÖV zu bewegt werden.

Dass autofreies Leben schon heute problemlos mög­lich ist und Autonutzung eine persönli­che Entschei­dung gegen das Klima darstellt, diese Einschätzung meinerseits erfreute wohl nicht alle Zuhörer. Mit Er­staunen wird immer wieder darauf reagiert, dass in Berlin fast je­der zweite Haushalt kein Auto hat und „nur“ 319 Autos auf 1.000 Berliner kom­men. Die Haupt­stadt hat bei einem Bundes­durch­schnitt von 603 Pkw/1000 Einwohner die niedrigste Quote und ist mit -0,2 % das einzige Bundesland mit abnehmen­dem Trend. Mir ist deshalb nicht einsichtig, dass der Autoverkehr in Berlin weiterhin gehätschelt wird: Mit großen An­zeigetafeln der (Auto-)„Verkehrsmanage­ment­zentra­le“ bis zum Bau der überflüssigen A100. „Geld ist da für Mobilität, es wird nur völlig falsch ausgege­ben!“ lau­tete meine Schlussfolgerung.

Das Aktionsbündnis „Stadtvertrag Klimaschutz“ in Ber­lin aus Handwerkskammer, Industrie und Han­dels­kammer, dem BUND und dem DGB wurde von Fran­ziska Eichstädt-Böhlig (MdA Berlin, B90/G) ange­regt und be­steht seit vergangenem Som­mer. Es will die Berliner Bür­ger/-innen und Unternehmen da­von ü­berz­eugen, das Klima zu schützen und auf erneuer­bare Energien umzusteigen. In den kommenden zwei Jahren werden Kampagnen zu den vier Schwer­punktthemen Mobilität, Heizen und Warmwasser, Stromverbrauch sowie Gebäudesanierung durchgeführt. Da die Fa. Ströer Medienpartner ist, ist die Werbung für den Stadtvertrag mo­mentan auf vielen Plakatwänden Berlins zu sehen.

Net.: http://www.stadtvertrag-klimaschutz.de/
Bericht mit Audiodatei

Heiko Bruns; Januar 2010