Mobil ohne Auto (MoA) 2005 in Hamburg
Am 19. Juni fand die größte hamburgische politische Demo der vergangenen Jahre statt
 
Mehr als zehntausend Menschen nahmen an der Fahrradsternfahrt 2005 teil. Seit Jahren haben nicht mehr so viele Menschen an einer politischen Demo in Hamburg mitgemacht. Die Medien berichteten ausgiebig. Alle Hamburger Tageszeitungen, Rundfunk und Fernsehen brachten Beträge mit vorwiegend positivem Echo. Im TV, auf Hamburg 1, gab es sogar eine einstündige Sondersendung zum Thema Radverkehr.
Diese Medienecho wurde auch von den Politikern wahrgenommen und vielfältige politische Aktivitäten und Entscheidungen wurden zugunsten des Fahrradverkehrs getroffen:
- Das Verbot auf Wegen innerhalb von Grünanlagen Fahrrad zu fahren wurde kurz nach der Demo aufgehoben.
- Ein Sonderinvestitionsprogramm zugunsten des Radverkehrs in der Gegend von Schulen in Höhe von 2 Millionen Euro wurde von der Stadtregierung vorgestellt
- Eine Große Anfrage der Grünen-Fraktion zugunsten des Fahrradverkehrs wurde gestellt
- Ein kleine Anfrage der CDU sollte eher zeigen, dass die Autofahrer viel disziplinierter fahren als Fahrradfahrer (was natürlich nicht stimmt, weil die meisten Fahrradrüpel männliche Autofahrer auf dem Fahrrad sind).
 
Nicht zu verachten ist wahrscheinlich auch die Wirkung von 50.000 Handzetteln, fast 2.000 A1-Plakaten auf Bahnhöfen und Straßenplakatständern und 5.000 Spuckis, die fast jeden Ampelmast zierten.
Das Verteilen der Handzettel war ein echter Kraftakt. Bereits vor ihrem Arbeitsbeginn standen wir vor den Bahnhöfen und verteilten die Flyer. Wir verteilten auf Wochenmärkten, auf Volksfesten und in Einkaufsstraßen. Und wir verteilten an Radfaher/innen, indem wir uns auf die Spitze der Steigung stellten und ihnen, die langsam die Steigung hinauf fuhren, den Zettel in die Hand drückten.
 
Die eigentliche Sternfahrt bestand aus 8 Haupt- und Nebenrouten sowie 20 Startpunkten. Die meisten Radler/innen starteten jedoch von Harburg um über die Kohlbrandbrücke zu fahren, eine Hochbrücke über den Kohlbrand, auf dem sonst nur Autos fahren dürfen.
 
Von Nachteil war, dass wir eine transportable Lautsprecheranlage auf einem Kfz dabei hatten. Eine stationäre Anlage hätte mehr als 3.000 Euro Miete gekostet. Die hatten wir nicht. Daher entschieden wir uns für die Anlage auf dem Kfz. Die kostete inklusive Kfz-Miete weniger als 500 Euro. Wir überlegten zwar sie auf einem Fahrradanhänger zu transportieren, aber da hätte die ohnehin schwache Anlage noch weniger Menschen erreicht, weil sie mehr Menschen beschallt, je höher die Lautsprecher angebracht sind. Ein Problem, für das wir noch keine vernünftige autofreie Lösung gefunden haben. Vielleicht würde es helfen, wenn sich jemand ausschließlich mit diesem Problem befasst und bis MoA 2006 eine Lösung findet.
 
Mobil ohne Auto 2006 wird wahrscheinlich noch mehr Menschen in Hamburg und Umgebung auf die Räder bringen. Bereits jetzt steht fest, dass aus vielen Orten Schleswig Holsteins, Niedersachsens und aus dem Hamburger Umland Gruppen zur Fahrradsternfahrt 2006 starten.
Die Planungen für die Routen 2006 sind fast beendet und wir wenden uns nun den Forderungen zu, welche wir den Politiker/innen präsentieren wollen. Ein Schwerpunkt wird dabei die Schaffung von Räumen für die Fahrradunterbringung sein, um den Fahrradverkehr zu fördern.
 
Vielleicht sehen wir uns ja auch bei Mobil ohne Auto 2006 in Hamburg. Spaß hat man übrigens auch dabei !